Dr. phil. David Klein

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Institut für Romanische Philologie

Literaturwissenschaften (Spanisch, Französisch), Filmwissenschaft

Büroadresse:

Schellingstraße 33, 4. Stock

Raum 4009

80799 München

Raumfinder

Sprechstunde:

Dienstags von 15:00 Uhr bis 16:00 Uhr (Bitte um Anmeldung) sowie nach Vereinbarung per E-Mail.

Postanschrift:

Geschwister-Scholl-Platz 1

80539 München

Steckbrief und Forschungsschwerpunkte

Ich bin Literaturwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München und forsche und lehre in der Romanistik an den Schnittstellen von Literatur-, Medien- und Kulturtheorie. Mich interessiert, wie literarische Verfahren und Medienformen Wahrnehmung, Wissen und soziale Ordnungen modellieren – und wie literarische Texte diese Vorgänge zugleich sichtbar machen, verfremden, reflektieren oder unterlaufen. Dabei gehe ich von der Prämisse aus, dass alles, was wir über die Welt wissen, auf die eine oder andere Weise erzählerisch vermittelt ist. Ästhetische Artefakte können diese erzählerische Vermittlung der Welt selbst zum Gegenstand der Erfahrung machen – und auf diesem Weg sehr anschaulich zeigen, wie das Wissen über die Welt entsteht, wie es ‚gemacht‘ wird, wie es zirkuliert und sich verändert.

In meiner ersten Monographie Medienphantastik (2015) untersuche ich phantastische Kurzerzählungen bei Jorge Luis Borges und Julio Cortázar als Verfahren medialer Selbstreflexion. In meinen Artikel und Vorträgen, aber auch in der Lehre beschäftige ich mich mit Intermedialität und zeitgenössischen Medienformaten (u. a. Film und Serie) sowie mit ästhetischen Zeitlichkeiten zwischen Beschleunigung und Entschleunigung – etwa in Arbeiten zu Pedro Almodóvar oder zu Sor Juana Inés de la Cruz.

Im Zentrum meines aktuellen Habilitationsprojekts steht die Frage, wie buchhalterische Verfahren – insbesondere die doppelte Buchführung – als kulturelle Technik literarische Formen und Denkmodelle der Frühen Neuzeit mitprägen. Ich argumentiere, dass die Praktiken des Rechnens, Registrierens und Bilanzierens, die ab etwa 1350 einen immensen Innovationsschub im Mittelmeerraum auslösen, nicht nur ökonomische Prozesse ordnen, sondern auch narrative Strukturen, epistemische Rahmungen und Schreibweisen verändern – und damit neue Möglichkeiten des Sag- und Denkbaren eröffnen, die es zuvor nicht gab. Diese Überlegungen bündele ich in der Monographie Zählen und Erzählen. Zur Emergenz frühneuzeitlicher Literatur aus der doppelten Buchführung (in Vorbereitung).

Lehre

In meiner Lehre verbinde ich philologische Grundlagenarbeit mit kultur- und medientheoretischen Fragestellungen: Von Einführungsübungen und Methodenvorlesungen über Seminare zur Literaturtheorie, Rhetorik, Intermedialität, Film- und Serienanalyse bis hin zu thematischen Vertiefungen (u. a. Phantastik, Siglo de Oro, Sor Juana, Petrarkismus, Literatur und Ökonomie/Buchhaltung) steht für mich stets die textnahe, begrifflich präzise Arbeit im Zentrum – ergänzt durch gezielte Perspektivwechsel zwischen Gattung, Medium und historischer Konstellation.

Didaktisch setze ich auf dialogische, aktivierende Formate, die Studierende zum selbstständigen Denken und Schreiben führen: kurze wöchentliche Reading Responses/Kommentare zur Vorbereitung, daran anschließende Sitzungsgespräche mit mäeutischen Fragen, Gruppenarbeiten und Werkstattphasen sowie – wo möglich – Portfolio-Prüfungen statt einmaliger Abschlussklausuren, damit Lernfortschritt sichtbar und reflektierbar wird.

Auch in Vorlesungen arbeite ich bewusst interaktiv und lege großen Wert auf eine dialogische Unterrichtsgestaltung. Wo es zum Gegenstand passt, mache ich literarische und kulturelle Praxis zudem durch die Einbindung externer Kulturschaffender erfahrbar.

Publikationen

Monographien

Zählen und Erzählen. Zur Emergenz frühneuzeitlicher Literatur aus der doppelten Buchführung, voraussichtlich Ende 2026.

Medienphantastik. Phantastische Literatur im Zeichen medialer Selbstreflexion bei Jorge Luis Borges und Julio Cortázar. Tübingen: Narr 2015.

Sammelbände

mit Luz Horne und Benjamin Loy: VelociFicciones. Temporalidades estéticas de la (des)aceleración en América Latina, voraussichtlich Ende 2026.

mit André Otto: Eros, poiesis und die Bindungen der Lektüre. Eine Zusammenkunft bei Horst Weich. Berlin: tranvía 2022.

mit Gerhard Poppenberg und Johanna Vocht: (Des)escribir la Modernidad. Die Moderne (z)erschreiben. Neue Blicke auf Juan Carlos Onetti. Tübingen: Narr 2018.

Artikel

„‘Sacrificios pasados no nos obligan’. Estéticas de la aceleración y desaceleración en Amor es más laberinto de Sor Juana Inés de la Cruz.“ In: David Klein, Luz Horne, Benjamin Loy (Hg.): VelociFicciones. Temporalidades estéticas de la (des-)aceleración en América Latina, voraussichtlich Ende 2026.

„Spielarten der Ohnmacht in den jüngeren Filmen Almodóvars.“ In: Daniel Graziadei, Lars Schneider (Hg.): Rasende Ohnmacht. Soziofiktionen in der neoliberalen Ära. Bielefeld: transcript 2025, S. 145–157.

„Barthes Rezeption in der Romania.“ In: Angela Oster (Hg.): Handbuch Roland Barthes. Leben - Werk - Wirkung. Heidelberg: Metzler 2025, 43–47.

„Das Phantastische als Symptom und Bewältigung medialer Krisen. Einige Bemerkungen zur französischen Netflix-Serie Osmosis (2019).“ In: Julia Brühne, Joaquín Orlando Valenzuela Celis, Pádraic Wilson (Hg.): Impending Crises. Contemporary Fantastic Narratives between Language, Image, and Sound. Baden-Baden: Rombach 2024, S. 63–75.

„Pedro Almodóvars abgehobene Medienapparatur. Spielarten der Intermedialität in Los amantes pasajeros.“ In: Isabelle Stauffer (Hg.): Literatur und Film im Spiegel des Digitalen. Intermediale Reflexivität in der Gegenwart. Berlin: De Gruyter 2024, S. 237–251.

„‘Une impression de flou ou d’étrangeté’. Le discours fantastique en tant que crise linguistique dans Mon cœur à l’étroit de Marie NDiaye.“ In: Sarah Burnatzki, Daniela Kuschel, Cornelia Ruhe (Hg.): Au-delà de la littérature fantastique et du réalisme magique, Más allá de la literatura fantástica y del realismo mágico. Bern: Lang 2022, S. 179–189.

„Liebe und Buchhaltung in zwei Sonetten von Sor Juana Inés de la Cruz.“ In: David Klein, André Otto (Hg.): Eros, poiesis und die Bindungen der Lektüre. Eine Zusammenkunft bei Horst Weich. Berlin: tranvía 2022, S. 55–72.

„Menschenmenge und Weltbezug in Flauberts Éducation sentimentale.“ In: Cornelia Wild, Herman Doetsch (Hg.): Im Gedränge. Figuren der Menge. München: Fink 2020, S. 147–158.

„Keeping Reality at Bay, Leading Women Astray. Realism and the Semiotics of costumbrismo in Emilia Pardo Bazáns Insolación”, Romanische Forschungen 132 (2020), S. 307–325.

„La abertura en el techo. Reflexiones sobre dos insertos complementarios en Havana Blues de Benito Zambrano.“ In: Jörg Dünne, Kurt Hahn, Lars Schneider (Hg.): Lectiones difficiliores. Vom Ethos der Lektüre. Tübingen: Narr 2019, S. 115–118.

„Die zona fronteriza als kulturstiftender Immigrations(t)raum. Providenz und Kontingenz der historia entrelazada am Beispiel von Carlos Fuentes’ La frontera de cristal (1995)”, PhiN – Philologie im Netz 18 (2019), S. 270–283.

„Vom Schreien und Schreiben einer Nation. Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Affekte in Esteban Echeverrías La cautiva.“ apropos – Perspektiven auf die Romania 3 (2019), S. 92–108.

„(D)escribir la Modernidad. Moderne Wirklichkeit, moderne descriptio in Juan Carlos Onettis ‘Un sueño realizado’.“ In: David Klein, Johanna Vocht, Gerhard Poppenberg (Hg.): (Des)escribir la modernidad. Die Moderne (z)erschrieben. Neue Blicke auf Juan Carlos Onetti. Tübingen: Narr 2018, S. 185–201.

„Phantastik als Spur und Ersatzsinnlichkeit? Überlegungen zum Verhältnis von Digitalität und Phantastik am Beispiel vom Guillermo del Toros El laberinto del fauno (2006).“ In: Thomas Faller, Reinhold Schalleger (Hg.): Fantastische Spiele. Imaginäre Spielwelten und ihre soziokulturelle Bedeutung. Berlin: LIT 2017, S. 139–146.

„Aleph/ALEF. On the Relationship of Media and the Fantastic in Jorge Luis Borges’s ‘El Aleph’”, Variaciones Borges 43 (2017), S. 23–40.

„Il viaggio nelle immagini di Kubrick.“ In: Rainer Crone (Hg.): Stanley Kubrick. Fotografie 1945-1950. Mailand: Giunti 2010, S. 33–37.

Rezensionen und kleinere Beiträge

„Vorwort.“ In: David Klein, André Otto (Hg.): Eros, poiesis und die Bindungen der Lektüre. Eine Zusammenkunft bei Horst Weich. Berlin: tranvía 2022, S. 7–11.

„Werner Wolf, Walter Bernhart, Andreas Mahler (Hg.): Immersion and Distance Aesthetic Illusion in Literature and Other Media”, AAA. Arbeiten aus Anglistik und Amerikanistik 41 (2018), S. 84–94.

„Maria Imhof: Schneller als der Schein. Theatralität und Beschleunigung in der spanischen Romantik”, Romanische Forschungen 130 (2018), S. 109–112.

„Vorwort.“ In: Johanna Vocht, David Klein, Gerhard Poppenberg (Hg.): (Des)escribir la Modernidad – Die Moderne (z)erschreiben. Neue Blicke auf Juan Carlos Onetti. Tübingen: Narr 2018, S. 7–13.

„Pascal Klenke, Laura Muth, Klaudia Seibel, Annette Simonis (Hg.): Writing Worlds. Welten- und Raummodelle der Fantastik”, AAA. Arbeiten aus Anglistik und Amerikanistik 41 (2016), S. 94–101.

„Christine Schwanecke: Intermedial Storytelling. Thematisation, Imitation and Incorporation of Photography in English and American Fiction at the Turn of the 21st Century”, AAA. Arbeiten aus Anglistik und Amerikanistik 39 (2014), S. 99–106.

Vorträge

11/2025 „‘Cosí era ritondo’. Zero, Double-Entry, and the Computative in Boccaccio’s Decameron.” Oberseminar bei Prof. Dr. Benjamin Loy, Universität München.

07/2025 „‚Sacrificios pasados no nos obligan’. Estéticas de la aceleración y desaceleración en Amor es más laberinto de Sor Juana Inés de la Cruz.“, Internationale Tagung: VelociFicciones, Amerikahaus München.

05/2025 „Zählen und Erzählen. Doppelte Buchführung als Modell moderner Fiktionalität“. Oberseminar bei Prof. Dr. Benjamin Loy, Universität München.

01/2025 „Was ein Schreibtisch von der Welt weiß. Buchhaltung und moderne Wirklichkeit in Emilia Pardo Bazáns El Contador.“ Workshop: (Trans-)Modernismos iberoamericanos. Aktuelle Forschungsperspektiven auf die literarische Moderne (1880–1940), Universität Göttingen.

01/2025 „Das buchhalterische Wissen der Poesie. Überlegungen zu einem Gedicht von Piedad Bonett.“ Ringvorlesung: Leo Spitzer Lecture of Poetry, Universität München.

07/2024 „Versos aritméticos. La influencia de las matemáticas y la contabilidad en la creación del soneto.” Internationale Tagung: COPOS – Congreso de teoría de la lírica y poéticas comparadas, Universidad de Salamanca.

01/2023 „Spielarten der Ohnmacht in den jüngeren Filmen Pedro Almodóvars. Rasende Ohnmacht.“ Tagung: Soziofiktionen der neoliberalen Ära, Universität München.

04/2022 „Von der Schwierigkeit, einen Anfang zu imaginieren. Sprache und Gedächtnis bei J. L. Borges und W. G. Sebald.“ Tagung: Sebald international. Weite Spuren im Ausgang des Werkes W. G. Sebalds, Carl Friedrich von Siemens Stiftung, München.

03/2022 „Are Hopes Placed in Technology Universal? Some Remarks on the French Netflix Series Osmosis.” Internationale Tagung: Global Crisis(es) between Image, Language and Time: On the Fantastic in Contemporary Films and Series, Universität Bremen.

09/2021 „Der Gang in den Keller. Unheimliche Medialität von Aleph bis Zodiac.“ Tagung: Der Kinematograph des Textes rattert. Intermediale Reflexivität in Literatur und Film der Gegenwart, Universität Eichstätt.

09/2020 „Zählen als Erzählen. Das Unheimliche der Literatur in der doppelten Buchführung (Balzac, Gaboriau).“ Internationale Tagung: Unheimliche Codes, Kanäle und Apparaturen: Medienreflexion und Mediengewalt in französischsprachigen Literaturen, online.

05/2020 „Lazarillo de Tormes als Buchhalterfiktion.“ Gastvortrag an der Bergischen Universität Wuppertal.

01/2020 „‘El debe y ha de haber de mi libro’. Beichte und Buchführung im Guzmán de Alfarache.“ Berufungsvortrag an der Universität zu Köln (2. Listenplatz).

05/2019 „Stimme – Schrift – Computer: Jorge Carrións Crónica de viaje als Medienparagone.“ Berufungsvortrag an der Universität Potsdam.

07/2018 „Die zona fronteriza als kulturstiftender Immigrations(t)raum. Affekttheoretische Implikationen der historia entrelazada bei Carlos Fuentes und Alejandro Iñárritu.“ Internationale und transdiziplinäre Tagung: (T)Räume der Migration. Universität Regensburg.

06/2018 „Phantastisches Rauschen? Vorschlag für einen medientheoretischen Umgang mit Digitalität..“ Kolloquium: Texte – Zeichen – Medien, Universität Erfurt.

10/2017 „Masse sehen, Masse hören – Medialität und Subjektkonstitution in der Menschenmenge in Flauberts L’Éducation sentimentale.“ Verbandstagung: XXXV. Romanistiktag, Sektion VIII „La foule, Die Menge, Universität Zürich.

04/2017 „Ein Gespräch mit Regisseur Benito Zambrano im Instituto Cervantes.“ Verbandstagung: XXI. Deutscher Hispanistentag, Universität München.

03/2016 „Keeping Reality at Bay, Leading Women Astray. Costumbrista Tradition and Female Character Development in Emilia Pardo Bazán.” Internationale Tagung: Ethnographies of the Everyday. New Perspectives on Costumbrismo, University of California, Berkeley.

11/2015 „Moderne descriptio bei Juan Carlos Onetti.” Tagung: Juan Carlos Onetti. Wegbereiter der lateinamerikanischen Moderne zwischen Río de la Plata und Europa, Lyrik Kabinett München.

11/2014 „Zur Rolle der Medien in den Inselromanen von Adolfo Bioy Casares.“ Tagung: Erzählen zwischen Phantastik und Postmoderne (Symposium zum 100. Geburtstag von Adolfo Bioy Casares und Julio Cortázar), Instituto Cervantes, München.

09/2014 „Phantastik als Spur und Ersatzsinnlichkeit? Überlegungen zum Verhältnis von Digitalität und Phantastik am Beispiel von Guillermo del Toros El laberinto del fauno.“ Tagung: Phantastische Spiele. Imaginäre Spielwelten und ihre soziokulturelle Bedeutung, Universität Klagenfurt.

01/2013 „Paris–Buenos Aires–London, 1959–1966: Der bedeutungsverleihende Blick – Julio Cortázars Las babas del diablo und Michelangelo Antonionis Blow-Up.“ Ringvorlesung: Panorama der romanischen Literaturen, Universität München.

09/2012 „Medienbewusstheit als Effekt phantastischer und neophantastischer Literatur. Tagung: Writing Worlds. Welten und Raummodelle der Phantastik, Wetzlar.