Die Veranstaltungsformen
Überblick über die wichtigsten Veranstaltungsformen "Vorlesung (VL)" und "Seminar" – und ein Exkurs zu ECTS
Überblick über die wichtigsten Veranstaltungsformen "Vorlesung (VL)" und "Seminar" – und ein Exkurs zu ECTS
Die Veranstaltungsform "Vorlesung (VL)"
Vorlesungen sind (im Gegensatz zu Seminaren) in der Regel monologische Veranstaltungen: eine/einer spricht, der Rest hört zu und schreibt mit. Meist gibt es aber die Möglichkeit, zwischendurch oder am Ende der Vorlesung Fragen zu stellen, bzw. nach der Veranstaltung mit der/dem Lehrenden ins Gespräch zu kommen. Als Ergänzung werden zu einzelnen Vorlesungen auch Tutorien angeboten, in denen der Stoff durch erfahrene Studierende vertieft wird. Diese sind begleitend besonders für die Einführungsvorlesungen empfohlen.
Im Vorlesungsverzeichnis (oder bspw. in gesonderten Moodle-Kursen) werden meist Materialien zu den Vorlesungen (Foliensätze, Hinweise auf weiterführende Literatur zur Vor- und Nachbereitung etc.) angeboten. Diese ersetzen das Hören der Vorlesungen nicht, ergänzen es aber -- mit den eigenen Mitschriften -- sinnvoll.
Sofern im Vorlesungsverzeichnis nichts anderes angegeben ist, können Sie an Vorlesungen der Germanistik ohne Anmeldung (= "Belegung") teilnehmen.
Vorlesungen haben also eine außerordentlich wichtige Funktion für Ihr Studium, um z.B. grundlegendes Wissen zu umfangreicheren thematischen Zusammenhängen zu sammeln. Dieses ist etwa zur Erstellung von Hausarbeiten (siehe Informationen zu den Prüfungsformen) im Rahmen der Pro- und Hauptseminare (siehe Informationen zur Veranstaltungsform Seminar) notwendig, oder bildet in den Lehramtsstudiengängen auch zum Ersten Staatsexamen die notwendige Basis.
Praxistipp: Zu Beginn der Vorlesungszeit sollten Sie sich mehrere Vorlesungen ansehen, für die Sie sich interessieren – so erschließen Sie das Fach in seiner inhaltlichen Breite und lernen gleichzeitig mehr Lehrende kennen.
Anders als Vorlesungen sind Seminare dialogische Lehrveranstaltungen.
Alle diese Seminare sind vor allem auf Diskursivität angelgegt: zwischen Lehrenden und Studierenden und zwischen den Studierenden untereinander. Seminare zielen also auf die gemeinsame Arbeit in der Gruppe, den intensiven Austausch, die aktive Mitarbeit. Daher ist es notwendig, dass die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer zur jeder Sitzung gut vorbereitet erscheinen.
In den thematischen Seminaren (Pro-, Haupt-/Fortgeschrittenenseminare der mittleren und Vertiefungsphase; siehe auch Informationen zu Ablauf und Organisation des Lehrbetriebs) wird sogar vorausgesetzt, dass Sie bereits bei Beginn der Vorlesungszeit z.B. die zu behandelnden literarischen Texte gut und zur Gänze kennen. Und für alle Seminare gilt, dass Sie die einzelnen Sitzungen anhand der empfohlenen Begleit- und Forschungsliteratur und entsprechend des jeweiligen Seminarplans vorbereiten, 'vorausdenken'. So wird es Ihnen möglich, in Auseinandersetzung mit dem angeeigneten Wissen, selbst Fragen zu entwickeln und diese, nicht zuletzt in Hausarbeiten (siehe auch Informationen zu Prüfungsformen), weiterzuverfolgen.
Daher ist es in Seminaren auch üblich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Impuls-)Referate oder Sitzungsmoderationen übernehmen, Protokolle anfertigen oder von Sitzung zu Sitzung Übungsaufgaben erledigen und häufig umfangreichen Lektüreaufträgen nachgehen. Aufgrund des hohen Lesepensums also (v. a. Lektüre der Primärtexte) und der Stofffülle, geschieht die Vorbereitung in der vorlesungsfreien Zeit (daher die "vorgezogene Belegfrist" der thematischen Seminare; siehe Informationen zu Belegverfahren). So machen die Vor- und Nachbereitung der Seminarsitzungen im Umfang einen sehr großen zeitlichen Anteil des Studiums aus. Ein Großteil der Wissensaneignung geschieht auf diesem Wege. Dieser Arbeitsaufwand zu Hause und in den Bibliotheken, der die Effizienz der Lehrveranstaltungen voraussetzt und notwendigerweise selbstverantwortlich zu treiben ist, lässt sich formal auch an den ECTS-Punkten (siehe Exkurs unten) ablesen, mit dem jedes Seminar ausgezeichnet ist.
Exkurs ECTS-Punkte: Für ein thematisches Seminar (bspw. ein Proseminar) gibt es in der Germanistik durchschnittlich sechs ECTS-Punkte. Ein ECTS-Punkt entspricht 30 Arbeitsstunden, sechs ECTS-Punkte entsprechen also 180 Arbeitsstunden. In einem durchschnittlichen Wintersemester verbringen Sie aber gerade einmal gut 20 Stunden in den Präsenz-/Onlinesitzungen eines Seminars. Für die Vor- und Nachbereitung und die Anfertigung der Prüfungsleistung (bspw. Hausarbeit) können also noch bis zu 160 Stunden erforderlich sein. Bei insgesamt 30 ECTS-Punkten, die von den Prüfungs- und Studienordnungen pro Semester durchschnittlich vorgesehen sind, wird deutlich: Studieren ist eine Vollzeitbeschäftigung.