Literatur(unterricht) – Diskurs – Subjekt (LiDiSu)

Im Projekt wird eine diskurs- und subjektivierungstheoretisch orientierte Literaturdidaktik entwickelt.

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Projektbeschreibung
Im Projekt LiDiSu wird eine diskurs- und subjektivierungstheoretisch orientierte Literaturdidaktik entwickelt. Im Zentrum stehen Prozesse der Fremd- und Selbst-Positionierung und die komplexe Verflechtung von Literatur(-unterricht) mit gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf natio-ethno-kulturellen Identitätskonstruktionen – ein Komplex, der sowohl in aktuellen politischen Debatten als auch in vielen literarischen Texten zentrale Bedeutung hat.

Anstelle eines vorab festgelegten Konstrukts von ‚Migration‘‚ ‚Kultur‘ und/oder ‚(natio-ethno-kultureller) Identität‘ steht bei einem solchen Zugang die Frage im Mittelpunkt, unter welchen Bedingungen welche Deutungen von ‚Kultur‘ und ‚kultureller Zugehörigkeit‘ in der Literatur und im Unterricht möglich sind und welche Konsequenzen sich daraus für wen ergeben. Somit wird das dynamische Verhältnis zwischen Literatur, Literaturunterricht und den sie umgebenden Machtverhältnissen relevant. Im Literaturunterricht findet dabei mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit Texten zugleich auch eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen statt, in die ein konkreter literarischer Text, die Institution Schule sowie die Subjekte eingebunden sind.

Mit einer derartigen Konzeption von Literatur(-unterricht) wird nicht nur das Ziel verfolgt, Lernende zu befähigen, literarische Welt- und Identitätsentwürfe zu rekonstruieren. Vielmehr werden theoretische Grundlagen und didaktische Zugänge entwickelt, mit denen Lernende dazu angeregt werden können, ausgehend von den Rekonstrukionen literarischer Welten über ihr eigenes Verortortet-Sein und -Werden in der Gesellschaft nachzudenken. Der Literaturunterricht wird auf diese Weise zu einem Ort, in dem Fragen der Subjektbildung und die damit einhergehenden Selbstbestimmungs- und Handlungsmöglichkeiten von Lernenden in den Fokus rücken.

Im Projekt wird ein theoretisches Konzept einer diskurs- und subjektivierungstheoretisch orientierten Literaturdidaktik entwickelt, Unterrichtsmaterialien konzipiert sowie deren wissenschaftliche und empirische Erprobung im Rahmen eines Design Based-Research-Ansatzes durchgeführt.
Projektverantwortliche
Dr. Vesna Bjegač (Ludwig-Maximilians-Universität München)
HS-Prof. Dr. Doris Pokitsch (Pädagogische Hochschule Oberösterreich)
Jun.-Prof. Dr. Nina Simon (Universität Leipzig)
unter Mitarbeit von
Dr. Claudia Glotz
Christiane Wagner
Förderung
Das Projekt wird durch LMUexcellent im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Freistaat Bayern gefördert.
Publikationen
kommend: Bjegač, V., Pokitsch, D. & Simon, N. (2027): Literatur unterrichten. Diskurs- und subjektivierungsanalytische Zugänge zur Literaturdidaktik. Paderborn: Brill/Schöningh. UTB.

Bjegač, V. & Simon, N. (2024). „Pembo“: Wie (literaturdidaktische) Reflexionen auf den Topos „halb und halb“ für ein kritisches Hinterfragen von Zugehörigkeitsordnungen im Literaturunterricht fruchtbar gemacht werden können. In Heiser, I., Mikota, J., & Sudermann, A. (Hrsg.), Interkulturalität neu entdecken: fachwissenschaftliche und fachdidaktische Perspektiven auf Kinder- und Jugendliteratur (S.166-176). Hohengehren: Schneider Verlag.

Bjegač, V. & Simon, N. (2020). Jonas Hassen Khemiris INVASION! Subjektivierungsanalytische Perspektiven für den Literaturunterricht. Literatur im Unterricht (LIU): Texte der Gegenwartsliteratur für die Schule, 21 (2), 163-174.
Vorträge
Literatur – Diskurs – Subjekt. Zur Relevanz von diskurs- und subjektivierungssensiblen Perspektiven auf literaturdidaktische Belange (auch) im DaF/DaZ-Unterricht. Bjegač, V. & Pokitsch, D. Universität zu Lübeck: 18. Internationale Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, Vielfalt wagen – mit Deutsch, 28.07.-01.08.2025.

„Auf diesem Arsch steht: Made in Germany. Je suis Deutschland. Almanya akbar“ – Subversive Strategien in, mit und durch postmigrantische(r) Literatur. Bjegač, V., Pokitsch, D. & Simon, N. Universität Graz: XV. IVG-Kongress: Sprache und Literatur in Krisenzeiten – Herausforderungen, Aufgaben und Chancen der internationalen Germanistik, 20.-27.07.2025.

Literaturunterricht als Subjektivierungsinstanz erkennen und gestalten. Bjegač, V., Pokitsch, D. & Simon, N. Bergische Universität Wuppertal: Macht durch Sprachhandlungen in der K-J-L, 06.-07.03.2025.

Literatur + Diskurs + Subjekt = Demokratiebildung? Bjegač, V., Pokitsch, D. & Simon, N. Johannes Gutenberg-Universität Mainz: 25. Symposion Deutschdidaktik, Über/fachliche Deutschdidaktik, 15.-19.09.2024.

Pembo meets Dönerröschen – Zum Potential vergleichender Lektüre im Kontext machtkritischer Literaturdidaktik. Bjegač, V. & Simon, N. Universität Paderborn: Einfach aussortieren? Machtaffirmierende Erzählwelten zwischen Zumutbarkeit und Verletzung in der literaturdidaktischen Diskussion, 03.-05.11.2022.
Gemeinsame Lehrveranstaltungen
Bjegač, V. & Simon, N. (Wintersemester 2022/2023): VerAnderungsprozesse in, mit und durch Literatur(unterricht). Kooperationsseminar der LMU München und der Universität Leipzig mit Lesungen von Constanze von Kitzing („Ich bin wie du – ich bin anders als du“, 2019) und Mithu Sanyal („Identitti“, 2021).