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Trauer um Dr. Wolfgang Walliczek

01.10.2026

Nachruf von Sven Hanuschek

Am 5. September 2026 ist Dr. Wolfgang Walliczek verstorben. Er war mehr als 30 Jahre am Institut für Deutsche Philologie bzw. am Department für Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache tätig, davon mehr als 20 Jahre prägend weit über die Fakultät hinaus – als mediävistischer Literaturwissenschaftler und Lehrer, als Verwaltungschef und als Mitglied des Senats.

Er wurde 1939 in Liegnitz geboren und studierte nach einem zeittypischen Flüchtlingsschicksal in München Germanistik, Kunstgeschichte und Anglistik, dieses Fach auch in Oxford und Exeter. 1971 wurde er mit einer exzellenten Arbeit über Rudolf von Ems (1973 bei C. H. Beck in der Reihe MTU erschienen) von Hugo Kuhn promoviert, dessen Assistent er im Anschluss wurde. Auch wenn sich der Schwerpunkt seiner Tätigkeit seit Mitte der 70er Jahre auf die Verwaltungsarbeit verschoben hatte, blieb er weiterhin engagierter Mediävist, er edierte den Nachlass Hugo Kuhns (1980), schrieb über „Heulende Helden“, forschte zu mittelalterlichen Minneromanen, zu Text-Bild-Beziehungen mittelalterlicher Handschriften und zur Rezeption des höfischen Romans in der Wandmalerei. 1999 erschien der Band helle döne schöne als Festschrift zu seinem 60. Geburtstag. Eine weitere Leidenschaft war die zeitgenössische Kunst und Kunstkritik, hier publizierte er vor allem über Bildhauer und Maler (Werner Kroener, Michel de Maizière).

Wolfgang Walliczek war ein leidenschaftlicher akademischer Lehrer, der legendäre Ganztagsseminare auch außerhalb der Universität veranstaltete; seine Schüler wirken als Professorinnen und Professoren an vielen Universitäten. Er betreute den 1979 neu gegründeten Studiengang „Deutsch: Lehramt an beruflichen Schulen“ und war Mitglied, zeitweise Vorsitzender der zentralen Kommission für Fragen der Didaktik der LMU und der Kommission für Lehrerbildung.

Seit 1977 widmete er sich mehr und mehr den Verwaltungsaufgaben am Institut für Deutsche Philologie, seit 1985 war er dessen Personalchef, bei seiner Pensionierung 2004 Leitender Akademischer Direktor. 1989 wurde er in den Senat der LMU gewählt, er war Leiter zahlreicher Kommissionen, zudem außerhalb der LMU wissenschaftlicher Berater für die Intendanz des Bayerischen Rundfunks und kam einer umfangreichen Vortragstätigkeit in der Lehrerfortbildung nach. Im Umstellungsprozess der internen Gliederung der Universität in Departments hat er die Strukturen unseres 2001 gegründeten Departments aufgebaut und geprägt; durch sein ungewöhnliches Verhandlungsgeschick, die allgemeine Wertschätzung und das Vertrauen, das er genoss, konnte er in zahllosen schwierigen Situationen allseits befriedigende Lösungen erreichen und vielen Menschen helfen, ein Glücksfall für Institut und Department ebenso wie für die einzelnen Kolleginnen und Kollegen. Er war ein großer Stratege, stets mit mehreren Bällen in der Luft, mit Witz und Eleganz, der seine Listen stets für alle Menschen am Department einsetzte, nicht nur für die großen Ordinarien allein; ein Virtuose auch in den allfälligen finanziellen Fragen des Departments, umfassend gebildet, hell und schnell.

Wir trauern um einen Freund und Ratgeber auch nach seiner Pensionierung, der uns fehlen wird. Der Familie Wolfgang Walliczeks gilt unser ganzes Mitgefühl.

Sven Hanuschek
für das Department I