Neuberufen: Prof. Dr. Katja Weidner
08.04.2026
Prof. Dr. Katja Weidner wurde zum 01.04.2026 auf die W3-Professur für Lateinische Philologie des Mittelalters berufen.
08.04.2026
Prof. Dr. Katja Weidner wurde zum 01.04.2026 auf die W3-Professur für Lateinische Philologie des Mittelalters berufen.
© Photogenika
Prof. Dr. Katja Weidner forscht am Institut für Griechische und Lateinische Philologie im Bereich der Lateinischen Philologie des Mittelalters. Zum Start an der Fakultät beantwortet sie fünf Fragen:
1. Nennen Sie fünf Stichworte, die Sie als Forscher/in und Ihre Themen beschreiben.
Materielle Literaturwissenschaft; digitale Netzwerkanalyse; Erzählen im Mittelalter; Lyrik und Lyriksammlungen; mediävistische Komparatistik
2. Wo waren Sie zuletzt tätig? Welche Aspekte an der LMU und der Fakultät 13 haben Sie besonders überzeugt?
Ich habe die letzten Jahre an der Universität Wien verbracht. Der Abschied aus Österreich fiel mir nicht leicht, aber die Möglichkeiten an der LMU sind für mich als Mittellatinistin einfach unschlagbar: Neben einer integrierten Latinistik im Fachbereich freue ich mich besonders auf die Kolleg*innen der anderen Mittelalterdisziplinen. Das Mittelalterzentrum mit seiner breiten Fachaufstellung gibt es in ganz Europa nur hier und das Münchener Umfeld mit der Bayerischen Staatsbibliothek, den Monumenta Germaniae Historica und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist weltweit einzigartig.
3. Was sind Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte bzw. welche Forschungsvorhaben wollen Sie in nächster Zeit umsetzen?
Neben den letzten Druckvorbereitungen zu meinem Buch über die „Cambridge Songs“ arbeite ich aktuell an zwei größeren Projekten: Im FWF-Projekt „Retexte en page“ geht es mir und meinem Team um die lateinische Überlieferung des Alexanderromans. Wir untersuchen ca. 200 Handschriftenzeugen in ganz Europa und interessieren uns dabei besonders für die materiellen Praktiken des Wiedererzählens. Daneben gebe ich zusammen mit Prof. Dr. Carlotta Posth (Würzburg) ein neues Grundlagenwerk für die Mediävistische Komparatistik heraus: „Common Grounds: Towards A Medieval Comparative Literature“. Vertreter*innen aller Sprachen des mittelalterlichen Europas liefern uns dafür das Handwerkszeug zur komparatistischen Arbeit mit ‚ihrer‘ Literatur.
An der LMU München wird eine wichtige Aufgabe die Herausgabe des Mittellateinischen Jahrbuchs werden, die mir Prof. Dr. Carmen Cardelle de Hartmann (Zürich) zu Jahresbeginn anvertraut hat und das nun langfristig in München angesiedelt sein wird. Außerdem plane ich ein größeres Forschungsvorhaben zur strophischen Varianz der hochmittelalterlichen Lyrik, auf das ich mich sehr freue.
4. Was begeistert Sie an Ihrem Fach besonders?
Die Literatur von eintausend Jahren, geschrieben und gelesen in ganz Europa, hunderttausende Codices und Fragmente auf der ganzen Welt, tausende Texte, die neu oder besser erschlossen werden müssen: Wie viele Fächer können das schon von sich behaupten. Zusammen mit Bibliotheken und außeruniversitären Institutionen habe ich die Gelegenheit, neue digitale Methoden zu entwickeln, um dieses Millennium unseres kulturellen Erbes besser erschließen zu können. Als Lehrende kann ich meine Studierenden schon früh in die Grundlagenforschung einbeziehen. Beides ist unschlagbar.
5. Was ist Ihnen in der Lehre und Nachwuchsförderung besonders wichtig?
Die Lateinische Philologie des Mittelalters beschäftigt sich mit einem ausgesprochen heterogenen Gegenstand, und das mit Methoden, die andere Fächer vielleicht weniger intensiv verfolgen. Studierende der Klassischen Philologie sind bei mir genauso wie die Studierenden der Mediävistik herzlich willkommen, wobei mein Ziel ist, ihnen die Freude an der Materialität zu vermitteln, die ich persönlich noch immer habe. Wichtig ist in Lehre wie Nachwuchsförderung eine gewisse Demut: Wir haben keinen eigentlichen Kanon, die Sprache entwickelt sich weiter und wird widerspenstiger, die Kontexte sind oftmals nur mühsam rekonstruierbar. Niemand kann allein Expert*in für ein so großes Feld sein, es braucht interdisziplinäre und kollegiale Zusammenarbeit, eine gesunde Fehlerkultur und Begeisterungsfähigkeit für die Aporie des Gegenstandes.
Weitere Informationen zu Prof. Dr. Weidner finden Sie auf ihrer Personenseite.