10 Jun

Linguistisches Kolloquium: Juliana Goschler (Oldenburg)

Termin:

Mi.:
18:15 Uhr

10. Juni 2026

Ort:

Schellingstraße 3 (R) Raum 203A

Schwierigkeiten bei Rezeption und Produktion von "Bildungssprache": Möglichkeiten des empirischen Zugangs und erste Befunde

Abstract:

Die Wiederbelebung des Begriffs "Bildungssprache" im Kontext einer kritischen Reflexion des Umgangs mit sprachlicher Heterogenität in der Schule und schulischer Chancengleichheit hat in der fach- und sprachdidaktischen, in der bildungswissenschaftlichen Forschung sowie in der Bildungspolitik viel bewegt: In der Forschung gibt es zahlreiche Studien zum schulischen Spracherwerb und Bildungserfolg sowie zu Sprache in der Schule; die Themen Deutsch als Zweitsprache, sprachliche Heterogenität und Sprachsensibilität sind inzwischen aus der Lehramtsausbildung kaum noch wegzudenken. Dennoch wird immer wieder auf erhebliche Forschungsdesiderate hingewiesen: Insbesondere die genaue linguistische Beschreibung der sogenannten "Bildungssprache" ist bisher allenfalls punktuell erfolgt, ebenso fehlen klare Befunde zu den tatsächlichen Schwierigkeiten, die bildungssprachliche Strukturen bei verschiedenen Gruppen von Lernenden hervorrufen.
Der Vortrag knüpft an diesem Punkt an. An ausgewählten typisch "bildungssprachlichen" Strukturen - nämlich unter anderem dem Ausdruck von Konditionalität und Deagentivierung – wird beispielhaft gezeigt, wie tatsächliche Schwierigkeiten empirisch erfasst und quantifiziert werden könnten. Dazu werde ich zunächst Pilotstudien auf der Basis von kleinen Korpora aus Lehrbuchtexten präsentieren und diese Ergebnisse mit Korpusdaten von Lernenden (Abiturient/-innen, Studierende mit Deutsch als Erstsprache sowie fortgeschrittene DaF-Lernende) abgleichen. Schließlich werde ich auch erste experimentell erhobene Daten zum Schwierigkeitsempfinden verschiedener Gruppen präsentieren.
Auf Grundlage dieser ersten Ergebnisse zeigt sich ein komplexes Bild, bei dem sowohl die verschiedenen bildungssprachlichen Funktionen als auch die konkreten sprachlichen Formen und die sprachbiographischen Hintergründe der Lernenden eine entscheidende Rolle spielen.

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