Das Fach und seine Teile
Drei fachwissenschaftliche Teile und eine Vermittlungswissenschaft
Fachwissenschaft und Fachdidaktik
Das Fach Germanistik besteht aus drei fachwissenschaftlichen Teilen:
- Germanistische Linguistik (Linguistik) – im Lehramtsstudium auch Deutsche Sprachwissenschaft genannt
- Neuere deutsche Literatur (NdL)
- Germanistische Mediävistik (Mediävistik) – im Lehramtsstudium auch Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters genannt
Der vierte Fachteil der Germanistik ist die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur (oft kurz Fachdidaktik Deutsch genannt) – er wird nur im Rahmen der Lehramtsstudiengänge studiert. Zu ihm gehört auch das Lehramtsstudienfach Deutsch als Zweitsprache (DaZ).
Germanistische Linguistik / Deutsche Sprachwissenschaft -- die deutsche Sprache in Geschichte und Gegenwart
© Marlon Pichler
Die Linguistik befasst sich mit der systematischen Erforschung einer Erscheinung, die für praktisch alle Begebenheiten unseres Lebens – Denken, Psyche, Kommunikation, Wissensgenerierung (und seine Vermittlung), Gesellschaft, Geschichte, Evolution – zentral ist: mit der menschlichen Sprache.
Als Studienfach hat die Germanistische Linguistik eine doppelte Einbettung: Zum einen ist sie ein Teilfach innerhalb der Gesamtgermanistik und somit mit philologischen Fächern verbunden. Vor allem aber ist sie eine Spezialisierung der allgemeinen Linguistik.
Die Germanistische Linguistik erhält ihre Eigenständigkeit durch ihren Betrachtungsgegenstand, nämlich die der deutschen Sprache inklusive ihrer Dialekte sowie ihrer älteren Stufen, und die exklusiven Beiträge, die sie anhand dieses Gegenstandes zur Klärung übergeordneter Fragen der allgemeinen Linguistik beitragen kann.
Neuere deutsche Literaturwissenschaft (NdL) -- deutsche Literatur ab der Neuzeit bis in die Gegenwart
© Marlon Pichler
Das germanistische Teilfach Neuere Deutsche Literatur beschäftigt sich mit der deutschsprachigen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Zur Erforschung der Literaturgeschichte mit ihren Periodisierungs- und Epochenfragen sowie Problemen der Gattungsgeschichte gehören auch die Beziehungen zwischen literarischen und außerliterarischen Phänomenen, also das Verhältnis des Textes zum geistes- und ideengeschichtlichen, soziokulturellen, politischen, ökonomischen und philosophischen Kontext. Die Beschäftigung mit historischen Disziplinen wie der Rhetorik, Poetik und der philosophischen Ästhetik führt auf systematische Fragen der Literaturwissenschaft.
Auch die Reflexion auf die eigenen Methoden und deren Geschichte ist Gegenstand der Literaturwissenschaft, etwa von der Hermeneutik zur Rezeptionsästhetik oder von strukturalistischen zu poststrukturalistischen Ansätzen. In der Auseinandersetzung mit den Methoden und Modellen erarbeitet sich die Neuere deutsche Literaturwissenschaft schließlich nicht nur ein Instrumentarium der Texterschließung, sondern öffnet sich über Fachgrenzen hinaus. So nimmt sie unterschiedliche theoretische Impulse, etwa aus der Diskursanalyse, der Systemtheorie und der Medientheorie auf, arbeitet an Paradigmen wie den cultural studies/der Kulturwissenschaft und den gender studies/der Geschlechterforschung mit, und untersucht das Verhältnis der Literatur zu anderen Künsten und Medien wie Musik, Malerei, Photographie und Film.
Germanistische Mediävistik / Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters
© Marlon Pichler
Die Germanistische Mediävistik beschäftigt sich mit dem Gesamtbereich der deutschsprachigen Textüberlieferung und Literatur von deren Anfängen um 800 bis in die Frühe Neuzeit.
Sie verknüpft dabei theoretisch-systematische mit literaturgeschichtlichen Fragestellungen. Besonderes Interesse findet in Lehre und Forschung die Analyse deutschsprachiger Texte im Kontext ihrer historisch-anthropologischen Voraussetzungen sowie ihrer fremden kulturellen (sozialen, kommunikativen, diskursiven, medialen, wissenshistorischen) Bedingungen und Implikationen. Literaturwissenschaftlich-komparatistischen Perspektiven etwa auf die lateinische, provenzalische, altfranzösische oder altnordische Literatur kommt dabei eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu.
Problemstellungen der Sprachgeschichte (diachrone Linguistik) oder der Buch- und Schriftgeschichte (Kodikologie, Paläographie) treten in ihrem Bezug zu literaturwissenschaftlichen Fragestellungen in den Blick. Die Erschließung der Formen, Funktionsbedingungen und -möglichkeiten der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit ist eine komplexe Aufgabe des Spannungsausgleichs zwischen wissenschaftlichem Begriffsapparat und Gegenstand - einem Gegenstand nämlich, der durch kulturelle wie ästhetische Alterität gleichermaßen faszinieren kann.
Fachdidaktik Deutsch und Deutsch als Zweitsprache (DaZ)
Fachdidaktik Deutsch
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Der vierte Fachteil der Germanistik ist die Didaktik des Deutschen. Sie ist an der systematischen Gliederung von Sprache und Literatur orientiert und an ihrer Funktion, angehende Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer auf die schulische Vermittlung der deutschen Sprache und Literatur vorzubereiten. Sie wird also nur in den Lehramtsstudiengängen gelehrt.
Die Fachdidaktik Deutsch befasst sich in umfassender Weise mit der Erforschung von Lehr- und Lernprozessen vor allem im Kontext des Deutschunterrichts. Dies schließt ausdrücklich die Auseinandersetzung mit Deutsch als Zweitsprache ein, um eine zeitgemäße Ausbildung von zukünftigen Lehrkräften zu ermöglichen. Unter Fachdidaktik Deutsch wird die Wissenschaft vom fachspezifischen Lehren und Lernen deutscher Sprache, Literatur und anderer medialer Erscheinungsformen verstanden. Sie umfasst die Bereiche Sprach-, Literatur- und Mediendidaktik Deutsch sowie Didaktik des Deutschen als Zweitsprache.
Ausführliche Informationen zum Fachteil Fachdidaktik Deutsch / DaZ
Deutsch als Zweitsprache (DaZ)
© Marlon Pichler
Die Lehramtsstudiengänge im Fach Deutsch als Zweitsprache (DaZ) bereiten Studierende wissenschaftlich fundiert und praxisnah darauf vor, mehrsprachige Kinder und Jugendliche gezielt beim Erwerb und Ausbau ihrer sprachlichen Fähigkeiten zu unterstützen und ihnen durch den Literaturunterricht vielfältige Zugänge zu mehrsprachigen Erzählwelten zu eröffnen. Besonders hervorzuheben ist dabei die enge Anbindung an die Fachdidaktik Deutsch. Sie befähigt die Studierenden dazu, Übergänge zwischen dem DaZ-Unterricht und dem Deutschunterricht bewusst zu gestalten – und damit eine durchgängige Sprachbildung zu ermöglichen.
Mit der Verbindung von Mehrsprachigkeit, kritischer Bildungsarbeit, Sprach- und Literaturdidaktik, digitalen Innovationen und Praxisorientierung qualifiziert das DaZ-Studium an der LMU für eine reflektierte Lehrtätigkeit in einer vielsprachigen Schulrealität – und schafft wesentliche Voraussetzungen dafür, Bildungsgerechtigkeit aktiv mitzugestalten.
Ausführliche Informationen sowie Antworten auf häufige Fragen rund um das Studium des Deutschen als Zweitsprache bietet der Online-Studienführer DaZ.