Occasio. Literatur und Gelegenheit vom 17. bis ins 19. Jahrhundert (Habilitationsprojekt)
Das Forschungsprojekt widmet sich dem Verhältnis von 'Dichtung' und 'Gelegenheit' von der Frühen Neuzeit bis zur Lyrik des Biedermeier. Entlang einer begrifflichen Differenzierung von kasualen und okkasionellen Aspekten des 'Schreibens bei Gelegenheit' geht das Projekt davon aus, dass eine Literaturgeschichte der Gelegenheit nicht deckungsgleich mit der Geschichte der Kasuallyrik ist. Ziel der Arbeit ist es, die Geschichte poetischer Okkasionalität in einer Art und Weise zu verfolgen, die sich der Nähe zur anlassgebundenen Dichtung bewusst bleibt, dabei aber die Beweglichkeit der Gelegenheit und ihre kontingente, kausal unterbestimmte und flüchtige Logik nicht scheut. Das Forschungsprojekt erkennt in der Gelegenheit eine poetogene Figur, die Dichtungen im Hier und Jetzt ihrer Entstehungszusammenhänge verankert, und zielt mit dem Begriff des "poetischen Okkasionalismus" auf eine dichterische Praxis, die temporale, kausale und sprachpragmatische Aspekte in sich vereint. Die Arbeit unternimmt a) eine systematische Ausarbeitung der Theorie- und Begriffsgeschichte der Gelegenheit in Ikonographie, Philosophie, Rhetorik und Ästhetik sowie b) eine Analyse ihrer poetischen Auftrittsorte, die sich als Zufälle, Gegenwarten und Risiken sortieren.