Neuere deutsche Literatur

Deutschsprachige Literatur von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

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Auf einen Blick

Die Kernbereiche des Fachs Neuere deutsche Literatur umfassen die Geschichte der deutschsprachigen Literatur von der frühen Neuzeit (16. Jahrhundert) bis zur Gegenwart, die Literaturtheorie und die Methodenlehre der Philologien, aber auch die Kultur- und Medienwissenschaften sowie die Gender Studies. Zur Erforschung der Literaturgeschichte mit ihren Periodisierungs- und Epochenfragen sowie Problemen der Gattungsgeschichte gehören auch die Beziehungen zwischen literarischen und außerliterarischen Phänomenen, also das Verhältnis der Literatur zu geistes- und ideengeschichtlichen, soziokulturellen, politischen, ökonomischen und philosophischen Kontexten. Die Beschäftigung mit Wissensbereichen wie der Rhetorik, Poetik und der philosophischen Ästhetik wirft außerdem systematische Fragen der Literaturwissenschaft auf.

Die Einteilung der Literaturwissenschaft in Nationalphilologien (wie Germanistik, Anglistik, Romanistik) und die Binnendifferenzierung in „ältere“ und „neuere“ Abteilungen, geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Sie erfolgte entlang von Sprachgrenzen: einerseits zwischen Nationalsprachen, andererseits zwischen Sprachstufen, wie in der Germanistik beispielsweise zwischen dem Mittelhochdeutschen und dem Neuhochdeutschen. Neuere deutsche Literatur meint in diesem Sinne die frühneuhochdeutsche und neuhochdeutsche Literatur seit dem 16. Jahrhundert.

Diese Sprachgrenzen mit Kultur- und (nationalen) Identitätsgrenzen zu verrechnen, ist heute nicht mehr zeitgemäß. Allerdings sind Literaturen nach wie vor an bestimmte Sprachen und deren Geschichte(n) gebunden. So stehen in der heutigen Welt regionale und sprachliche Literaturtraditionen und globale Entwicklungen der Medienlandschaft, aber auch des Literaturmarkts in einem Spannungsverhältnis. Das Fach Neuere deutsche Literatur an der LMU München trägt diesem Sachverhalt Rechnung, indem es historische Orientierung mit methodischer Öffnung verbindet. Es steht in Forschung und Lehre im regen Austausch mit anderen Fächern, insbesondere mit den anderen Philologien. Die deutschsprachige Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart bildet daher zwar den zentralen Gegenstandsbereich des Fachs. Doch die literaturwissenschaftlichen Fragestellungen und Methoden sind nicht nationalphilologisch oder sprachgeschichtlich gebundenen, sondern stehen in größeren, auch globalen Horizonten.

Nicht nur die Literatur selbst, sondern auch Literaturtheorien und Methoden der Textinterpretation werden heute weltweit kommuniziert und diskutiert. Dabei erscheint (fiktionale) Literatur einerseits als anthropologische Konstante, da es Schriftkulturen ohne Literatur im starken Sinne des Wortes nicht gibt. Andererseits treten die kulturellen und sozialen, die politischen und rechtlichen, die institutionellen und medialen Bedingungen moderner Literatur in den Blick – wie Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Buchdruck und Internet, Social Media und Literaturbetrieb, Urheberrecht und Werkherrschaft, Kunstfreiheit und Originalität.

Die Literatur beobachtet und reflektiert die Welt und bildet daher einen herausgehobenen Teilbereich der allgemeinen Kulturgeschichte. Ihre Erforschung wirft zahlreiche Fragen auf: Wie lässt sich die Geschichte der Literatur periodisieren und in Epochen strukturieren? Welche Formen und Funktionen zeichnen die zahlreichen Gattungen der Literatur aus? Wie stellt sich das Verhältnis der Literatur zu anderen Aspekten der Kulturentwicklung wie ideellen, sozialen, politischen oder ökonomischen Phänomen dar und in welchem Verhältnis steht die Literatur zu Wissensgebieten wie der Rhetorik, Poetik oder der Philosophie und Ästhetik?

Das Fach Neuere deutsche Literatur befasst sich mit der engen kulturellen Eingebundenheit der Literatur und weist daher ein entschieden interdisziplinäres Profil auf. Von besonderer Bedeutung ist der Zusammenhang der Literatur mit historischen, sozialen und politischen Entwicklungen sowie mit anderen Kunstwerken und Kunstformen: Dazu zählen intertextuelle Bezüge zwischen der deutschsprachigen Literatur und anderssprachigen Literaturen ebenso wie die Wechselwirkungen mit anderen Künsten und Medien wie der Bildenden Kunst, der Musik und dem Film.

Auch die Reflexion der eigenen Methoden und der eigenen Geschichte bildet einen wichtigen Gegenstand der Literaturwissenschaft. Die Hermeneutik, der Strukturalismus, der Poststrukturalismus, die Rezeptionsforschung oder die Gender Studies weisen nicht nur spezifische Erkenntnisziele und Geltungsansprüche auf, sondern wurzeln auch in Entstehungszusammenhängen, die ihnen ihr spezifisches intellektuelles und politisches Profil verleihen. Literaturwissenschaftliche Methoden und Modelle nehmen verschiedene theoretische Impulse anderer Disziplinen auf und arbeiten an interdisziplinären Forschungsparadigmen wie den Cultural Studies oder den Gender Studies mit.

Die Neuere deutsche Literatur an der LMU widmet sich der Literatur in ihrer ganzen historischen, ästhetischen, medialen, materiellen, sozialen und kulturellen Vielfalt. Neben dem ausgeprägten literaturgeschichtlichen Schwerpunkt, der alle Epochen von der Frühen Neuzeit bis in die unmittelbare Gegenwart umfasst, interessieren wir uns für vielgestaltige thematische und theoretische Fragestellungen sowie die interdisziplinäre Ausweitung der Literaturwissenschaft. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir dabei der Gegenwartsliteratur, die wir am „Zentrum für Gegenwartsliteratur“ im engen Austausch mit den Münchner Institutionen der literarischen Öffentlichkeit erforschen. Gleichzeitig pflegen wir die philologische Tradition durch die Edition der Werke zentraler Autorinnen und Autoren der deutschen Literaturgeschichte.

Die Münchner NdL prägt die wissenschaftliche Diskussion der Disziplin entscheidend mit: Unsere Professorinnen und Professoren sind mitverantwortlich für die Herausgabe wichtiger germanistischer Publikationsorgane wie „Arbitrium“, die „Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte“, das „Goethe Jahrbuch“ und die „Scientia Poetica“. Diese aktive und vielfältige Präsenz im Fach nutzen wir auch zur intensiven Nachwuchsförderung in strukturierten Programmen wie dem Internationalen Doktorandenkolleg Philologie, dem Graduiertenkolleg „Family Matters“ und der Graduiertenschule Sprache & Literatur München sowie durch internationale Kooperationen wie das jährlich stattfindende Princeton-LMU Summer Graduate Seminar.

Methodisch verbinden wir bewährte philologische Verfahren mit innovativen Ansätzen aus der Kultur- und Medientheorie, den Gender Studies, den Digital Humanities, der Ästhetik und der Literatursoziologie. Eine große Rolle spielen auch die intermedialen Wechselbeziehungen der Literatur mit anderen kulturellen Ausdrucksformen wie Film und Musik. Einen wichtigen Schwerpunkt bildet schließlich die Selbstreflexion der Literaturwissenschaft von der Fachgeschichte bis zur philologischen Methodenlehre – diese erfolgt auch in enger Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Cross-Cultural Philology“, das neue Ansätze der vergleichenden Philologieforschung entwickelt. Die Münchner NdL bietet so einen äußerst dynamischen Zugang zur Literaturwissenschaft – verstanden als ein lebendiges Zusammenspiel von Tradition, theoretischer Neugierde und methodischer Offenheit.

Für Studieninteressierte

Die Neuere deutsche Literatur ist ein Teilfach der Germanistik und kann im Rahmen des Bachelor-Studiengangs Germanistik grundständig und im Master-Studiengang Germanistische Literaturwissenschaft vertiefend studiert werden. Die NdL ist auch Teil des Lehramtsstudiums, insofern Deutsch als Unterrichts- oder Didaktikfach gewählt werden kann. Die folgenden Anmerkungen stellen den Studienschwerpunkt Neuere deutsche Literatur kurz vor. Ausführlichere Informationen zum Studium finden Sie hier.

Das Studium der Neueren deutschen Literatur gibt Ihnen die Möglichkeit, sich intensiv mit deutschsprachiger Literatur vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart zu befassen. In den ersten Semestern erhalten Sie eine fundierte Einführung in zentrale Themen des Fachs und die Analyse der wichtigsten literarischen Formen. Der Schwerpunkt in dieser Phase des Studiums liegt darauf, Ihnen grundlegende Denkwerkzeuge und Wissensbestände zu vermitteln, die Sie im Laufe Ihres Studiums differenzieren und verfeinern: von textanalytischen Verfahren über Etappen der deutschsprachigen Literaturgeschichte bis hin zur literaturtheoretischen Reflexion. Im Verlauf des Studiums werden Sie in intensiven Diskussionen mit den Dozierenden und anderen Studierenden literarische Werke in ihren historischen, kulturellen und theoretischen Kontexten verorten. Sie werden Theorien und Praktiken der Textinterpretation erproben und intensiv darüber nachdenken, wie man die außerordentlichen Komplexitätsressourcen der Literatur erkennen und erforschen kann.

Für das Studium der Neueren deutschen Literatur sollten Sie Freude am Lesen, Neugier auf Literatur, Lust am Denken und Begeisterung für wissenschaftliches Schreiben mitbringen. Das Studium richtet sich an Studieninteressierte, die sich mit Literatur in ihrer ganzen Vielfalt – mit ihren Themen, ihren Formen und ihrer Geschichte – und den Erkenntnismöglichkeiten des Literaturstudiums auseinandersetzen möchten. Da Sprache das zentrale Arbeits- und Erkenntnismittel der Literaturwissenschaft ist, ist eine sicherer Umgang mit der deutschen Sprache in Wort und Schrift sehr wichtig. Das Studium bietet Ihnen Gelegenheit, Ihre sprachlichen und stilistischen Fähigkeiten weiter zu verbessern. Die Literaturwissenschaft lebt von der Aufmerksamkeit fürs Detail, von analytischem Denken und von der wissenschaftlichen Diskussion mit anderen und weist einen anspruchsvollen und bereichernden Weg in die Welt von Kunst und Kultur.

Im Studium werden Sie zu Kennerinnen und Kennern deutschsprachigen Literatur ausgebildet und befähigt, sich intensiv in den deutschsprachigen Kulturbetrieb zu involvieren. Neben dem literaturgeschichtlichen und literaturtheoretischen Wissen erwerben Sie zahlreiche weitere, in vielen Arbeitsfeldern entscheidende Kompetenzen wie die Fähigkeit zu eigenständigem wissenschaftlichen Denken und Schreiben sowie text- und kulturanalytische Interpretationsfertigkeiten. Das Studium der NdL fördert den Erwerb von Schlüsselqualifikationen wie analytischem Denken und selbständigem Urteilen in hohem Maße. Die Abteilung für Neuere deutsche Literatur an der LMU bewahrt das literarische Erbe und stellt das Instrumentarium bereit, um die aktuellen Entwicklungen der Kultur- und Medienlandschaft beobachten und beurteilen zu können.

An der LMU ausgebildete Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler sind auf dem heutigen Arbeitsmarkt in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern gefragt. Das Studium qualifiziert nicht nur für die klassischen Berufsfelder in Forschung und Lehre, im Verlagswesen, in der Medienbranche oder in Kulturinstituten, sondern für zahlreiche weitere Bereiche, in denen intellektuelle Eigenständigkeit und kulturelle Kennerschaft gefragt sind.

Für eine ausführlichere Beratung stehen Ihnen - auch vor Studienbeginn - unsere Fachstudienberatung und die Sprechstunden der Lehrkräfte offen. Kontaktinformationen zur Vereinbarung von Terminen und Sprechstundentermine finden Sie unter der Rubrik Studium oder auf der jeweiligen Personenseite.