Die Reihe Literatur, Kultur, Medien in Deutsch als Fremd und Zweitsprache von Simone Schiedermair und Almut Hille präsentiert Forschungspositionen und regt zu deren Reflexion an. In der Reihe erscheinen Tagungsbände und ausgewählte Monografien.
Band 1: Literarisches und alltägliches Erzählen unter (fremd-)sprachendidaktischer Perspektive
Aus kulturwissenschaftlicher Sicht bildet das Erzählen eine anthropologische Grundgegebenheit. Die Einsicht in die Narrativität des menschlichen Weltzugangs und die Allgegenwärtigkeit des Erzählens in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Funktionszusammenhängen haben die Grundlage für eine umfassende interdisziplinäre Erzählforschung gelegt. Eine solche Forschungsperspektive auch für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache fruchtbar zu machen und das Bewusstsein für die Allgegenwärtigkeit des Erzählens in verschiedenen Dimensionen des Fremd- und Zweitsprachenunterrichts zu schärfen, bildet das zentrale Anliegen des vorliegenden Bandes. In dem Band finden sich Beiträge versammelt, die aus der Vielfalt der Perspektiven des Faches auf das Thema blicken und verschiedene Formen und Aspekte des Erzählens in den unterschiedlichen Lehr-Lernzusammenhängen des Deutschen als Fremd-, Zweit- und Erstsprache untersuchen – in schulischen und außerschulischen Sprachlernangeboten, in der internationalen Germanistik und in Studiengängen für Deutsch als Fremdsprache an deutschsprachigen Universitäten. Dabei werden verschiedene Möglichkeiten und Konzepte der Integration von alltäglichem und literarischem Erzählen in unterrichtliche Prozesse und der produktiven Verbindung von sprachlichem und literarischem Lernen diskutiert.
Facetten von Gegenwartsliteratur in der internationalen Germanistik und im Fach Deutsch als Fremdsprache
Hille, Almut / Völkel, Oliver Niels (Hg.)
Gegenwartsliteratur steht häufig im Fokus der Forschung und Lehre in der internationalen Germanistik wie auch – wenn überhaupt auf Literatur zurückgegriffen wird – des Unterrichts Deutsch als Fremdsprache. Terminologisch ist sie nicht einfach zu fassen, fällt es doch schwer, der Gegenwart einen zeitlichen Rahmen zu setzen. Immer verweist die Gegenwart auch auf Vergangenheit wie Zukunft und sie ist vergangen, wenn sie zum Gegenstand der Literatur und in Zukunft immer wieder neuer Lektüren wird. Die Beiträge des Bandes nähern sich der Gegenwartsliteratur in curricularen, literaturwissenschaftlichen und -didaktischen Perspektiven. Sie spannen einen Bogen von terminologischen Diskussionen über die Analyse von Umbrüchen in literarischen Zeit- und Raumordnungen bis zu Sondierungen der Möglichkeiten, literarische Texte in Lehre und Unterricht stets neu zu lesen. Darüber hinaus erhalten neue Formate einer digitalen Literatur sowie des Arrangements von Texten in Medienverbünden und Textnetzen Aufmerksamkeit.
Facetten von Gegenwartsliteratur in der internationalen Germanistik und im Fach Deutsch als Fremdsprache
Freudenthal, Cynthia
Vor dem Hintergrund, dass auch der Fremdsprachenunterricht auf die komplexer werdende Welt reagieren und ökologische und globale Herausforderungen und Fragestellungen miteinbeziehen muss, verfolgt die vorliegende Dissertation die Absicht, die Förderung von Umweltkompetenz als Zielsetzung im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht zu verankern und Anregungen für Lehr- und Lernarrangements zu geben. Da sich die Beschäftigung mit Erinnerungsorten im Kontext der Förderung einer Diskurskompetenz und der Arbeit mit einem bedeutungs- und wissensorientierten Kulturbegriff im Fremdsprachenunterricht in den letzten Jahren immer wieder als fruchtbar erwiesen hat, wurden neben Unterrichtsreihen zu ausgewählten ökologischen Themen auch eine Unterrichtsreihe zu einem ökologischen Erinnerungsort entwickelt, einzelne Unterrichtsreihen detailliert geplant und anschließend in mehreren Deutsch-als-Fremdsprache-Kursen an Universitäten und Sprachschulen in Deutschland erprobt. Die vorliegende Arbeit zielt außerdem darauf, einen Beitrag zur Fundierung der Kompetenzdiskussion der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und des Globalen Lernens zu leisten, die Auseinandersetzung mit „global issues“ als Lehr- und Lerngegenstände im Unterricht Deutsch als Fremdsprache weiter voranzubringen und den bisher in der deutschsprachigen DaF-Forschung kaum etablierten Begriff ‚Umweltkompetenz' weiter zu konkretisieren und zu verankern.
Obwohl Geschlecht als zentrale Kategorie bipolarer sozialer Differenzlinien gilt, stand es bisher nur wenig im Fokus der Forschung und Lehre des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache. Vor welchen Herausforderungen stehen Lehrkräfte, Forschende und Lernende in diesem Zusammenhang? Welche Impulse und Veränderungen sind nötig, um zu bewusstem gendersensiblen und gendergerechten (Sprach-)Handeln in der Zweit- und Fremdsprache Deutsch zu befähigen? Die Antworten auf diese Fragen sind ebenso vielfältig wie offen für individuelle Lösungen – was sich mit den Leerstellen im Titel Gender_Vielfalt_Sexualität(en) auch im Namen des Bandes widerspiegelt: Gender entzieht sich einer einfachen Bedeutungszuweisung und muss stets im Kontext seiner inhärenten Vielfalt, Komplexität und vor allem Unabgeschlossenheit gedacht werden. Die Beiträge des Bandes nähern sich dem Themenkomplex Gender aus sprach- und kulturwissenschaftlichen, aus sprach-, literatur- und kulturdidaktischen wie aus schulpädagogischen Perspektiven. Sie reichen von Überlegungen zu (sprachlichen) Repräsentationen von Geschlecht sowie den daraus resultierenden Implikationen und Handlungsmöglichkeiten in verschiedenen institutionellen Bildungskontexten bis zu Methoden wie dem Queering oder auch literarischen Annäherungen und Vorschlägen zur Entdramatisierung von Geschlecht. Weiter finden sich Auseinandersetzungen mit multimodalen Medien wie dem Bilderbuch, die mit möglichen Analyseinstrumenten zum Aufdecken von (intersektionalen) Diskriminierungskategorien verbunden sind.
Für Lehr-Lern-Prozesse des Deutschen als Fremd- oder Zweitsprache besitzen Medienverbünde didaktischen Mehrwert: Mediennetze aus Printtext und Adaptionen (z.B. Film, Theaterstück, Graphic Novel u.a.) erlauben Lernenden vertiefte Einblicke in Prozesse der Medientransformationen und der Intermedialität. Zudem ermöglichen solche Verbünde den Nachvollzug gesellschaftlicher Diskurse bzw. kultureller Aushandlungsprozesse. Das liegt auch daran, dass Medienwechsel zur Wahrnehmung von Literatur im Zusammenhang mit populärkulturellen Phänomenen in einer sich ausdifferenzierenden Medienlandschaft beitragen. Von didaktischer Relevanz ist es, die Texte, die die Medienverbünde konstituieren, als eigenständige Kunstwerke zu verstehen, welche zeit- und kulturreflexive Interpretationen eines Referenztextes darstellen. Der Reiz dieser Transformationen für das Lernen besteht darin, dass sie in einem multimodal ausgerichteten Unterricht eingesetzt werden können. In diesem Fall werden sowohl Prätext als auch Transformation verwendet, sodass beide Medien zum Einsatz kommen und das Synergiepotential von Text- wie auch Bild-/Multimedium gleichermaßen genutzt wird. Das stellt zudem auch Anschlüsse für sprachliches, kulturelles und medienreflexives Lernen bereit. Dieser Band geht von konkreten Medienverbünden aus, die in theoretische Zusammenhänge eingebettet werden und didaktische wie methodische Anschlüsse für die Gestaltung von Lehren bzw. Lernen ermöglichen. Im Zentrum der Beiträge steht die Kommentierung der intermedialen Zusammenhänge und ihrer Potenziale für Vermittlungs- bzw. Erwerbsprozesse des Deutschen als Fremd- oder Zweitsprache. Der Band wird herausgegeben von Christine Arendt (Lektorin an der Katholischen Universität Mailand und Vertragsprofessorin an der Universität Mailand), Tristan Lay (Lecturer in Germanic Studies an der Universität Sydney) und Dieter Wrobel (Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Würzburg).
In der Kultur- und Literaturdidaktik des Faches Deutsch als Fremd- und Zweitsprache gewinnen Begriff und Konzept des Diskurses in den letzten Jahren kontinuierlich an Bedeutung. Verschiedene diskursorientierte Verfahren der Text- und Bildarbeit im Unterricht schließen an kultur- und sozialwissenschaftliche Theoriebildungen an: Stichworte sind kulturelle Deutungsmuster, Erinnerungsorte, Linguistic Landscapes, kultur- und sprachreflexive Lektüren, die Förderung von Diskursfähigkeit und symbolischer Kompetenz. Ihnen gemeinsam ist die Auffassung einer diskursiven und dynamischen Verfasstheit gesellschaftlicher Wirklichkeiten. Mit ihr wird der Diskurs zur wichtigen Kategorie für Analysen des Zusammenhangs von Sprache, Kultur und Gesellschaft und gleichzeitig für das kulturelle wie literarische Lernen. Die Beiträge des Bandes nähern sich der Kategorie Diskurs in kultur- und literaturwissenschaftlichen sowie curricularen, konzeptuellen, didaktischen und empirischen Zugängen. Entfaltet werden terminologische Diskussionen und ihre Implikationen für den Unterricht und die universitäre Aus- und Fortbildung von Lehrkräften wie auch für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.
Deutsch-brasilianische Literaturen und geteilte Geschichte in der brasilianischen Germanistik
Völkel, Oliver Niels
Als eine bisher noch wenig für fremd- und zweitsprachliche Kontexte erarbeitete soziale Kategorie werden in der vorliegenden Arbeit „Zugehörigkeiten“ als lohnender Zugang für den Sprach-, Kultur- und Literaturunterricht vorgeschlagen. Am Beispiel brasilianischer Germanistikstudierender zeigt die Studie, wie die erworbene Zugehörigkeit zur deutschen Sprachgemeinschaft und die bestehende Zugehörigkeit zu Brasilien als fruchtbar und motivierend für fremdsprachliche Lehr-Lern-Prozesse genutzt werden können. Dafür wurde ein Vernetzungsmodell konzipiert, das einzelne Verdichtungspunkte deutsch-brasilianischer Literaturen betrachtet und sie nicht in Bezug auf Nationalphilologien, sondern im Kontext zueinander sieht. Konzeptionell wurde für das Modul die Perspektive einer doppelten Zugehörigkeitsorientierung entwickelt und deren unterrichtliche Ausarbeitung empirisch begleitet: So teilt sich das Konzept in eine subjektorientierte Zugehörigkeitsorientierung, die sich an den Zugehörigkeitskontexten der Teilnehmer*innen in Lehr- und Lernarrangements orientiert und in eine epistemische Zugehörigkeitsorientierung, die die Teilnehmer*innen anleitet, die Zugehörigkeiten von anderen verstärkt wahrzunehmen und die sich somit auf die soziale Verfasstheit unserer Gesellschaften richtet.
Der Band möchte dazu einladen, Mehrdeutigkeiten ästhetischer Texte in Kontexten von Mehrsprachigkeiten auszuloten, zu diskutieren und in unterrichtliche Zusammenhänge zu integrieren. Ausgangspunkt für alle Beiträge sind Überlegungen zu Rolle und Relevanz von Aspekten der Mehrdeutigkeit für literaturdidaktische Zusammenhänge. Dabei werden literarische bzw. ästhetische Texte verstanden als vielfach in (aktuellen) komplexen Diskursen vernetzt. Über den ‚Umweg' des Poetischen erlauben sie vielfältige Wirklichkeitsbezüge. So stellen ihre Mehrdimensionalität, ihr Perspektivenreichtum und ihre Mehrdeutigkeiten zentrale Ausgangspunkte für die aktuellen literaturdidaktischen Diskussionen im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache dar. Eine fremd- und zweitsprachliche Diskursfähigkeit (im Alltag), als übergreifende Zielsetzung des Unterrichts formuliert, erfordert einen erfolgreichen Umgang mit Mehrdeutigkeiten. Lernende müssen diesbezüglich unterstützt und für Mehrdeutigkeiten sensibilisiert werden. Dabei ist es oft schwierig, Mehrdeutigkeiten in der Fremd- oder Zweitsprache als solche zu erkennen und nicht als ‚Problem' eines sprachlichen Nichtverstehens zu interpretieren. Welche Möglichkeiten es gibt, bei den Lektüren ästhetischer Texte produktiv und sensibilisierend mit Mehrdeutigkeiten umzugehen, wird in den einzelnen Beiträgen im Hinblick auf Theorie und Praxis reflektiert und ausgelotet. Grundlage dazu stellen die Beiträge und Diskussionen aus dem Workshop Zur Rolle von Mehrdeutigkeiten in der Literaturdidaktik Deutsch als Fremd- und Zweitsprache dar, den wir im September 2022 in Paderborn auf dem Germanistentag zum Rahmenthema Mehrdeutigkeiten im Bereich 3 Vermittlungs- und bildungsbezogene Zugänge angeboten haben.
Ein literaturästhetischer Zugang in der Lehrkräfteausbildung Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
Fischer, Nadia
Diskursfähigkeit als übergreifende Zielsetzung im Unterricht Deutsch als Fremd- und Zweitsprache erfordert die Auslotung der Beschaffenheit von Sprache selbst, ihrer (ästhetischen) Verfasstheit, ihrer mehrdimensionalen Deutungs- und Symbolgehalte, die Diskurse letztlich formen und in einem reziproken Verhältnis zu dem stehen, was hier (Erinnerungs-)Kultur genannt wird. Diese (Be-)Deutungsbildungsprozesse, die in Literatur in verdichteter Form auftreten, gilt es für eine selbstbestimmte Partizipation an (fremdsprachlichen) Diskursen erfahrbar zu machen. Die vorliegende Arbeit entwirft und erprobt ein Konzept, um eine solche literarästhetische Erfahrungsbildung bereits auf Ebene der universitären Aus- und Fortbildung von Lehrkräften zu verankern. Grundlage des Konzepts bildet die Arbeit mit Erinnerungsliteratur zur NS-Zeit, die über unterschiedliche Perspektiven, (narrative) Darstellungsformen und ästhetische Explorationsräume vielseitige Zugänge zu einer komplexen Vergangenheit erlaubt, die schon aufgrund ihrer erinnerungskulturellen Relevanz sowohl im Unterricht als auch in universitären Studiengängen DaF/DaZ adäquat behandelt werden sollte. Im Rahmen einer Fallstudie wird exploriert, wie und mit welchen Herausforderungen eine Gruppe von Masterstudierenden des Faches DaF/DaZ eine Rhetorik der Erinnerung in ausgewählten Texten beschreibt, reflektiert und in eigene Unterrichtsentwürfe als Transferleistung integriert.