Organisation: Helga Thalhofer
Die Postcolonial Studies umfassen Forschungen in unterschiedlichen Bereichen und fragen zum Beispiel, wie fiktionale, dokumentarische und theoretische Texte die Nachwirkungen imperialer Herrschaft und damit hierarchische politische, kulturelle und wirtschaftliche Verhältnisse mit oft globalem Ausmaß darstellen, die sich zu kolonialen Zeiten teils auf Sklavenarbeit gestützt haben.
Fiktionale und theoretische Texte, die in unterschiedlichen postkolonialen Zusammenhängen entstanden sind, verhandeln Mehr- und Mischsprachigkeit, die sich auf das Schreiben von Autorinnen und Autoren sowie auf das Sprechen und Schreiben von Figuren im Text beziehen kann. Dabei werden Mehrsprachigkeit und ihre (Selbst-) Übersetzung als narratives Verfahren wirksam. Zudem reflektieren die Texte, wie die Protagonistinnen und Protagonisten fiktionaler Werke nach ihrer – auch sprachlichen – Position innerhalb verschiedener ineinanderwirkender Kulturen suchen.
Mehr- oder Mischsprachigkeit kann, neben anderen Gründen, als Folge von Exil oder Migration entstehen. Autorinnen und Autoren sowie fiktionale Figuren setzen sich oftmals gerade mit der Sprache der Kolonialmacht mit deren Sprachpolitik auseinander, die bestimmte Sprachen im öffentlichen Raum präferiert oder marginalisiert, oder aber sie entwickeln eine Mischsprachigkeit, die aus zwei Verfahren des writing back hervorgehen kann, die Bill Ashcroft, Gareth Griffiths und Helen Tiffin in ihrer Studie The Empire Writes Back. Theory and practice in postcolonial literatures von 1989 ausgeführt haben: einer ,abrogation‘ (Außerkraftsetzung) und einer ,appropriation‘ (Aneignung) der imperialen Sprache.
Diese Verfahren kommen unter anderem zustande über ,Relexifizierung‘ (Chantal Zabus), die Integration von Wörtern oder Redewendungen einer Sprache in eine andere Sprache (bei Beibehaltung der Morphologie und Syntax der anderen Sprache). Durch dieses Ineinanderwirken von – im postkolonialen Kontext – europäischen und nicht-europäischen Sprachen bilden sich beispielsweise Kreolsprachen. Der Workshop lädt dazu ein, diesen Aspekten nachzugehen.
- 14.00 Uhr: Helga Thalhofer (LMU München): Einführung
- 14.15 Myriam-Naomi Walburg (ULiège): Selbstübersetzung als poetisches Verfahren: Zu den Begrifflichkeiten literarischer Mehr- und Mischsprachigkeit
- 15.15 Pause
- 15.30 Robert Stockhammer (LMU München): Sprachigkeit: Verfasstheit und Politik von literarischen Texten
- 16.30 Pause
- 16.45 Sarah Fekadu-Uthoff (LMU München): „The third language that animates where the tongue falters“: Mutter/Sprache in Ocean Vuongs On Earth We’re Briefly Gorgeous
- 17.45 Abschlussdiskussion